Vielen von uns wird das Jahr 2016 als ein verheerendes in Erinnerung bleiben. Es scheint als steuere die Welt direkt auf die nächste große Katastrophe zu, die schrecklichen Kriege vor allem im Nahen Osten wollen nicht enden, viele Größen meiner Jugendzeit haben sich endgültig von der Bühne verabschiedet und hierzulande scheint es kein Gegenmittel zu Lügen und Gewalt zu geben.
Dennoch, für mich persönlich war 2016 ein überaus reiches Jahr. Reich an schönen Erlebnissen, neuen Erfahrungen und auch an wirtschaftlichem Gewinn. Ich habe neue Menschen und ihre Gegenden kennengelernt, mir neue Wissensgebiete erschlossen und letztlich auch gelernt, zwischen vieler Arbeit immer mal wieder inne zu halten. Nur an Zeit zum regelmäßigen Bloggen fehlte es deutlich, deshalb hier ein zusammenfassender Bericht.

Mein 2016 beginnt im Herbst des vergangenen Jahres. Nach einer Durststrecke und wenig Freude am Dasein ging es mir wieder besser. Ein neues Projekt begann Formen anzunehmen und neue Menschen erschienen in meinem Umkreis. Alles in allem ein Beginn der Hoffnung machte auf das kommende Jahr 2016.

Nachts in Emden

Weihnachten in Emden

Und weil ich gut starten wollte, legte ich mir kurz vor Weihnachten nicht nur eine neue Kamera zu, sondern gönnte mir auch einen ausgiebigen Weihnachtsurlaub in Emden. Die ostfriesische Hauptstadt ist wunderschön, auch und gerade im Winter. Ob im Zentrum, auf dem Weihnachtsmarkt, oder an den Rändern entlang der fast nicht zählbaren Tiefs und Siele und anderer Wasserwege. Das Wetter war mein Freund und so verlebte ich ein paar wunderbare Tage. Die nette kleine Kneipe, welche ich eines Abends fand, war auch so ein Erlebnis. Ich sprach mit Emdern, die einerseits Weihnachten feiern wollten. Andererseits die wirtschaftlichen und sozialen Probleme ihrer Stadt nicht vergessen konnten und wollten. So erfuhr ich vom schwierigen Verhältnis der Stadt zu VW, dem größten ansässigen Arbeitgeber, aber auch vom Ringen gegen und um die Papenburger Meyerwerft und ihren Patriarchen.
Als ich kurz vor Silvester wieder nach Hause fuhr, war ich gut erholt und bereit für ein spannendes Jahr. Was es dann auch wurde.

Januar und Februar – Springe und Erfurt

Den Verlauf meines Jahres prägten vor allem viele zu haltende Seminare in diversen Städten, unterbrochen von mehreren Kurzausflügen und (endlich mal wieder) einem großen Jahresurlaub. Die Unterbrechungen im Arbeitsalltag mussten einfach sein, denn dieses Jahr war arbeitsreich und ohne ausreichende Erholungspausen hätte ich es wohl nicht durchgehalten. Was immerhin den Vorteil hatte, Städte und Landstriche nicht nur am Abend nach der Arbeit kennenzulernen, sondern auch mal ganz entspannt genießen zu können.
Los ging es Anfang Januar. Ich sollte in Hannover arbeiten, leider mitten in der Messezeit. So daß ich mir ein Hotel außerhalb der Stadt suchen musste. Dies fand ich schließlich in Springe, einer Kleinstadt, ca. 30 S-Bahn-Minuten von Hannover entfernt. Die Kamera war dabei und immerhin hat es zu drei netten Bildern gereicht.

Anfang Februar schließlich führte mich mein Weg nach Erfurt. Auch hier galt es zu arbeiten, dennoch blieb Zeit für die Stadt und vor allem eine sehr schöne Fototour mit meinem Bekannten Torsten aus Magdeburg. Ich blieb übers Wochenende in Erfurt und er kam aus seiner Stadt rübergefahren. Da er Erfurt viel besser kennt als ich, war er auch der perfekte Reiseführer.

Es war übrigens Karnevalszeit und ich froh, nicht in Köln zu sein. Das die Thüringer so verrückt sind, ihren eigenen Karnevals-Zug durch die Stadt zu schicken, wusste ich nicht. So blieb es am Sonntag bei einem sehr kurzen Ausflug.

Ostern in Münster

Osterfeuer

Ostern war eine der oben erwähnten Auszeiten. Meine Nichte wohnt mit ihrer Familie dort, wir verbrachten ein ruhiges Wochenende mit einander und ich erlebte seit langem wieder einmal ein wunderbares großes Osterfeuer. Nur auf die schwere Erkältung anschließend hätte ich gern verzichtet.

Osterfeuer

März – Linux

Das erste Highlight des Jahres. Nachdem ich ein Jahr zuvor die Frage gestellt hatte, ob Linux für mein Rechnerdasein eine Alternative sein könnte, habe ich in diesem Jahr den Umstieg gewagt. In allen beruflichen Aspekten hat das wunderbar funktioniert, in einem entscheidenden privaten Aspekt leider nicht. Dazu später mehr.

Linux und ich

Da ich mich grundsätzlich nicht an Religionsstreitigkeiten über die verschiedenen Betriebssysteme beteilige, kann ich für mich feststellen, der Umstieg vom Mac zu Linux hat mir in allen beruflichen Belangen Vorteile gebracht. Ich bin weniger abhängig von der Strategie eines OS-Herstellers, kann mein Arbeitssystem weitgehend frei konfigurieren und bin sowohl zu meinen Windows- als auch zu meinen Apple-Kollegen voll kompatibel. Es war eine gute Entscheidung.

Ende April/Anfang Mai – Neßmersiel

Eine ganze Woche Nordsee hatte ich mir vorgenommen. Es wurde eine, und was für eine! Entdeckungen und Erlebnisse, Begegnungen mit tollen Menschen, Landschaft und Wetter vom Feinsten. Ich war vorher schon in Ostfriesland und die Nordsee verliebt, seit diesem Jahr bin ich der Gegend verfallen. Und wie das so ist, wenn man verliebt ist, es gibt an der Geliebten nicht auszusetzen. Die kleinen Kritikpunkte drangen erst etwas später in mein Hirn, als ich nicht nur die Küste, sondern auch die Inseln (genauer gesagt, DIE Insel) besuchte.
Ende April/Anfang Mai war ich noch nicht soweit. Ich fuhr nach Neßmersiel um mich zu erholen. Was dann passierte, ist schwer in Worte zu fassen. Es fing an mit dem Hotel. Ein kleines, feines Künstler-Galerie-Bio-Hotel, das jedoch auch Fleischfresser wie mich willkommen heißt. Mit einer Junior-Suite, welche ich in manchem Vier-Sterne-Hotel gerne hätte.

Galerie-Hotel Villa Norderney in Neßmersiel

Nun ist Neßmersiel eher ein Ort für die Durchreise nach Baltrum. Kaum jemand bleibt, zumal im Frühjahr, mehr als eine Nacht in diesem Ort. Erst im Hochsommer, wenn die Inseln und der Rest der Küste voll werden, füllen sich auch die vielen neu gebauten (und meist recht hässlichen) Ferienhäuser des Dorfes. Ich habe den Ort dennoch ins Herz geschlossen. Denn die Menschen, welche mir in dieser Woche begegnet sind, von der Hotelwirtin Frau Alex bis zum Bürgermeister Egon, sind klare ehrliche und herzensgute Leute. Menschen, die mit ihrem Ort, ihrer Arbeit und Ostfriesland im Reinen sind. Bei allen Schwierigkeiten, mit denen sie zu tun haben.
Es ist eine der Geschichten meines Jahres, in der ich auf Egon, den Bürgermeister von Neßmersiel traf. Wenn ich schon im Urlaub bin, dann enden meine Abende eher nicht gegen 21:00 Uhr.
Die Wirte von Neßmersiel sehen das allerdings etwas anders. Zwar gibt es in diesem 500-Einwohner-Dorf acht Restaurants, spätestens um 21 :00 sind sie aber alle geschlossen. Egon störte dies schon länger. Und weil sich niemand im Dorf fand, der meinte, nach 9 könne man noch Umsatz machen, eröffnete Egon kurzerhand vor drei Jahren selbst eine Kneipe. Ok., er ist der Bürgermeister, richtete die Kneipe in einem seiner Ferienhäuser ein und nahm sich Werbeflächen, über die er verfügen konnte.
Und obwohl die Kneipe nicht im Ortskern liegt, sondern am Rand, finden sich vom Frühjahr bis zum Winter genügend Gäste ein, um das Geschäft (welches nur ein Nebenverdienst für Egon ist) am Leben zu erhalten. Einheimische und Touris können sich dort wunderbar unterhalten. Und wenn Egon mit seinen Freunden aus dem Dorf op Platt snackt, können sie auch wunderbar über die anwesenden Touristen herziehen. Versteht ja eh kein Rheinländer…

Ja, es war eine sehr schöne Woche. Einen der anderen Höhepunkte (ich sage nur: Baltrum!) spare ich mir für einen eigenen Beitrag auf. Hier erstmal ein paar Bilder aus Neßmersiel:

An dieser Stelle unterbreche ich meinen Bericht vorerst. Weiter geht es in wenigen Tagen im zweiten Teil.