Hier nun also Teil 2 meines ganz persönlichen Jahresrückblicks. Teil 1 findet ihr hier.
Das erste halbe Jahr fühlte sich sehr positiv an, und nach den Erlebnissen von Neßmersiel dachte ich, es könne eigentlich nicht schöner werden. Es wurde schöner. Mehr dazu weiter unten. Jetzt erstmal:

Mit dem „Rheingold“ ins DB-Museum

Im Rheingold-Express

Auch so ein Erholungsausflug in diesem Jahr. Ende Mai stieß ich die Ankündigung zum diesjährigen Sommerfest im DB-Museum Koblenz. Das fand Anfang Juni statt und war dem 60-jährigen Jubiläum der DB-Einheitslok gewidmet. Der Clou daran, man konnte die Hin- und Rückfahrt ins Museum mit dem „Rheingold-Express“ buchen. Die Tour war fast das Schönste an diesem Tag. Ich saß im Clubwagen des „Rheingold“, bekam Frühstück und Abendbrot serviert, und ein fröhlicher Pianist war ebenfalls anwesend. Die Rückfahrt wurde lustig, da sich die Fahrgäste (bei Bier und Wein) entspannen konnten, und sich schließlich ein alter Bundesbahn-Schaffner mit einem holländischen Eisenbahn-Fan zum Gesangsduo zusammenfanden. Nein, ich habe die Szene nicht fotografiert!

Aber zurück zum Sommerfest. Es gibt wahrlich viel zu sehen im DB-Museum Koblenz. Jede Menge alte und sehr alte Loks, Speise- und Salonwagen, u.a. die Salonwagen von QE II. (mit dem sie angeblich durch Deutschland reiste) und Erich Honecker. Dazu eine Garteneisenbahn und eine sehr knuffige Modellbahnanlage. Der Tag war jedoch, wie geschrieben, dem 60. Geburtstag der Einheitslok gewidmet. Und es ist, wenigstens für mich alten Technikfreak, schon ein erhebendes Gefühl, die alten Prototypen von E03 und E10/E40 in ihrer ganzen Pracht zu erleben. Die Führerstände besteigen zu dürfen, Fragen an die fachkundigen Mitarbeiter richten zu können usw. usf.. „Technische“ Gäste waren natürlich auch anwesend. Mal abgesehen von den unvermeidlichen Dampfloks (die ich nicht besonders mag, auch wenn der Adler-Nachbau natürlich schön ist), waren die eleganteste Diesellok der Bundesbahn (BR 218) und ein paar AEG- und Siemens-E-Lok-Prototypen zu sehen. Hach, was für eine Freude.
Aber was rede ich lang? Schaut euch die Bilder an und freut euch (hoffentlich) so wie ich.

Nächster Halt:

Magdeburg

Über die Stadt hatte ich schon einmal geschrieben. Leider nicht sehr positiv. Das nehme ich zurück. Als ich im Juni des Jahres beruflich nach Leipzig musste, verabredete ich mit meinem Bekannten, Torsten aus Magdeburg, einen samstäglichen Zwischenstop in seiner Heimatstadt. Wir machten einen langen Spaziergang und er zeigte mir ein paar, wenigstens für Nicht-Magdeburger, unbekanntere und interessante Orte seiner Stadt. Von den alten Burganlagen an der Elbe über einladende Parks bis zur alten Hubbrücke (welche mit Bürgerspenden erhalten wird) und dem Areal an der Stadthalle. Deren Architektur ich einigermaßen surreal fand.
Alles in allem ein gelungener Nachmittag/Abend für den ich mich bei Torsten herzlich bedanke. Und wie versprochen; ich komme wieder.

Juli – Begegnungen in Konstanz

Ich wollte schon immer mal an den Bodensee. Die ersten Geschichten über Landschaft, See und Leute erzählte mir meine Mutter schon als Kind. Denn sie selbst war, obschon in Breslau aufgewachsen, in ihrer Kindheit mehrfach in Konstanz. Später sah ich Bilder und Filme und nahm mir vor, den See irgendwann einmal zu besuchen. Doch meine Sehnsucht richtet sich seit jeher eher nach Norden, so daß Fahrten in den Süden, wenn nicht beruflich bedingt, eher die Ausnahme bleiben. In diesem Sommer jedoch war es soweit. Ich brauchte mal wieder eine Pause vom Beruf und hatte außerdem über Twitter Kontakt zu zwei Menschen aus der Gegend gefunden. Also verabredeten wir uns kurzerhand und ich fuhr endlich weit in Richtung Süden.

Der See, der See!

Schon die Hinfahrt war ein Erlebnis. Ich fuhr wie immer mit der Bahn und suchte mir eine Strecke aus, auf der ich noch nie gefahren war. Von Köln mit dem ICE nach Offenburg in Baden, dann mit der Schwarzwaldbahn quer durchs wohl berühmteste deutsche Mittelgebirge nach Singen (Hohentwiel) und schließlich mit dem Seehas nach Konstanz. Insbesondere den zweiten Teil der Strecke auf der Schwarzwaldbahn kann ich jedem Bahnfan nur empfehlen. Es geht durch wunderschöne Täler mit herrlichen Panorama-Ansichten, interessanten Städten und Dörfern und, die Tunnel halten sich in Grenzen. Das alles in mehr oder weniger gemütlicher Geschwindigkeit in modernen Doppelstockwagen der Deutschen Bahn. Also Reisende, setzt euch nach oben, hofft auf gutes Wetter und genießt die Aussicht. Auch die Seehas-Strecke, welche von der Schweizer SBB betrieben wird, ist sehenswert. Besonders ab Radolfzell, wenn man am Untersee mit den Halbinseln Mettnau und Reichenau entlang fährt.
In Konstanz angekommen, bezog ich erstmal mein Zimmer in einem kleinen, feinen Hotel und machte mich dann auf Nahrungssuche in der Stadt. Die Kamera war natürlich dabei. Einen längeren Ausflug nahm ich mir für den Samstag vor, auch den natürlich mit Kamera.

Apropos Samstag. Es ist für jemanden der keine Menschenmassen mag, keine gute Idee sich samstags durch die Konstanzer Innenstadt zu bewegen. Die Schweiz ist nah und der Preisunterschied zwischen dort und hier groß. Folglich sind die Konstanzer Straßen mit Schweizer Autos verstopft, aus denen häufig russisch sprechende Menschen steigen und sich zum Shopping durch die proppenvollen Fußgängerzonen schieben. Ich wollte mir eigentlich in aller Ruhe die Stadt anschauen, war aber letztendlich froh, die Massen hinter mir zu haben und am Hafen angekommen zu sein. Dort verläuft es sich etwas, das Gelände ist groß, die Luft frisch und ich konnte wieder atmen.

Hafengetümmel

Entspannung fand ich in einem kleinen Café, welches auf einer historischen Bodensee-Fähre eingerichtet wurde. Von dort aus konnte ich wunderbar das Getümmel im Hafen und auch die Imperia bewundern. Nach einer Stärkung unternahm ich mit einem kleinen Ausflugsschiff eine Runde auf dem See und wanderte dann, nachdem es etwas ruhiger wurde, noch ein wenig durch die Stadt.

Der Sonntag war ein eher ruhiger Tag. Ich hatte keine große Lust auf Spaziergänge und war einigermaßen faul bis zum späten Nachmittag. Dann aber war ich mit zwei der interessantesten Twitterinnen verabredet, die mir bisher begegnet sind. Christine aus Konstanz, auf Twitter bekannt als @Mama_arbeitet, eine alleinerziehende Mutter, politisch wie sozial engagiert und eine intelligente, warmherzige Frau. Dazu Claudia aus St. Gallen. Sie ist Korrektorin bei einem Schweizer Verlag und schreibt seit vielen Jahren als @akkordeonistin wunderbare kleine Geschichten in 140 Zeichen. Ihre schönsten „Sitze-im-Bus“-Tweets hat sie in diesem Herbst in einem kleinen Buch veröffentlicht. Das Buch nehme ich immer wieder gern in die Hand, es erfreut nicht nur meine Seele, sondern auch mein Schriftsetzerherz. Kurzum, es wurde ein langer Nachmittag/Abend mit feinfühligen, klugen Menschen, der mir lange im Gedächtnis bleiben wird.

Konstanz und der Bodensee (vor allem) sind auf jeden Fall eine Reise wert, das hat mir dieses Wochenende gezeigt. Ich werde wiederkommen, irgendwann.

Es gibt noch mehr zu erzählen aus diesem Jahr. Von Leipzig und Bremen, Giessen und Baltrum umd nicht zuletzt von einer Begegnung mit Freunden in Bad Bergzabern. Das alles folgt im dritten Teil meines Jahresberichtes, den ihr in wenigen Tage lesen könnt.