Es war die spannendste meiner Entdeckungen in diesem Jahr. Anfang Mai fuhr ich, wie schon erzählt, nach Nessmersiel um etwas auszuspannen. An einem der Tage kam ich auf die Idee, die Fähre für einen Tagesausflug nach Baltrum zu nutzen. Da die Schiffe auch hier tideabhängig fahren, braucht es etwas Glück um genügend Zeit für die Insel zu haben. Ich hatte Glück. Am 4. Mai ging die Fähre um 10:00 morgens ab und kam gegen 18:30 zurück. Ich hatte also (Fahrzeit abgerechnet) rund sieben Stunden Zeit. Was in diesen Stunden mit mir passierte ist schwer zu beschreiben.
Ich erinnere mich an fast alle Augenblicke dieses Tages und an ein paar ganz besonders gern. Hingefahren war ich mit dem Vorhaben, mir einen schönen Tag zu machen, das Wetter war ja auch phantastisch, und mir so eine Nordseeinsel mal anzuschauen (Jahre zuvor war ich mal auf Helgoland und auf Sylt, fand aber beides eher so na ja). Ein paar schöne Fotos machen, spazieren gehen („Baltrum heißt Baltrum, weil man da bald rum ist.“), mehr habe ich nicht erwartet. Zurück kam ich mit einem Sehnsuchtsort im Herzen. Es waren nicht der Strand oder das Meer, was mich so umgehauen hat an diesem Tag. Obwohl beides auch sehr schön ist. Nein, es war das Inselinnere, das Naturschutzgebiet der Grau- und Braundünen mit seinen sanften Hügeln, seinen Wäldchen, den Teichen und Tieren. Nach einer ersten Runde um das Westkap herum und am Strand entlang, bog ich irgendwann rechts ab durch die Dünen und fand den Eingang in eine überwältigende Laandschaft. Schon nach wenigen Metern blieb ich das erste mal stehen, sah mich einfach nur um und genoß den Anblick. Ich wusste in diesem Augenblick nicht mehr, ob ich noch auf Baltrum war. Oder hatte ich ein Raumfenster durchschritten und stand plötzlich in den irischen Hills of Donegal oder den schottischen Highlands? Nein, sagte ich mir immer wieder, je weiter ich lief, du bist auf Baltrum, einer kleinen Insel im ostfriesischen Wattenmeer. Und konnte es nicht glauben.

Baltrum oder Highlands?

Baltrum oder Highlands?

Baltrum oder Highlands?

Im weiteren Verlauf des Tages konnte ich mich nicht sattsehen an den Schönheiten der Insel, traf Menschen denen es ähnlich ging wie mir und lernte andere kennen, die mir in diesem Jahr noch öfter begegnen sollten.
Am Abend saß ich in Egons Kneipe in Nessmersiel, erzählte ihm von dem Tag. Er meinte, ja die Insel ist schön, aber mehr als drei Tage würde er dort nicht aushalten. Ich sah das anders, denn ich hatte meinen

Sehnsuchtsort

gefunden. Nur knapp vier Wochen später, über Fronleichnam, war ich wieder da. Diesmal für fast vier Tage. Und was soll ich sagen, gleich nach dem hervorragenden Abendessen machte ich mich mit der Kamera auf zu einer Tour ins Inselinnere. Beim ersten Mal war ich am Mittag da gewesen, da sind die Schatten scharf und die Kontraste hart. Jetzt wollte ich das Abendlicht genießen und etwas davon einfangen und mitnehmen.

Abends auf Baltrum

Abends auf Baltrum

Abends auf Baltrum

Der nächste Tag begann wie manche Inseltage eben beginnen. Es war sehr neblig, fast windstill aber warm. Ich mag solches Wetter, auch zum Fotografieren. Und es war regelrecht still auf der Insel. Baltrum ist sowieso ein ruhiger Ort, es gibt keine Autos, auch die Touristen machen recht wenig Lärm, die lautesten Geräusche sind Pferdegetrappel, das Sirren der Elektrofahrräder und natürlich das Meer, das eigentlich immer rauscht. Nicht so an diesem Morgen. Wegen der Windstille schwappte das Meer eher ruhig vor sich hin, der Nebel verschluckte die anderen Geräusche und nur wenige Menschen bewegten sich nebelverwaschen am Strand.
Und auch das gehört zu den Inseln; ab Mittag riss der Himmel auf, es wurde sonnig und warm. Wunderschön.

Baltrum im Nebel

Baltrum im Nebel

Baltrum im Nebel

Ich nächtigte in diesen Tagen übrigens im Strandhotel Wietjes. Darüber und manch andere spannende Begegnung ist ebenfalls zu berichten. Und zwar im nächsten Abschnitt.

Jahresurlaub – Die volle Dröhnung Baltrum

Schon Ende Mai beschloß ich, meinen Jahresurlaub im September ebenfalls auf Baltrum zu verbringen. Und auf der Rücktour Egon in Nessmersiel zu besuchen um ihm zu erzählen, wie es ist, wenn man länger als drei Tage auf der kleinen Schönheit Ostfrieslands verbringt. Also buchte ich Ende Mai den Urlaub, wieder im Strandhotel Wietjes. Ich fand sowohl das Hotel als auch das Restaurant einfach klasse.

Ostfriesenteller

Steinbutt mit Spargel

Willkommen

Wer mehr als drei Tage auf der Insel verbringt, kann natürlich ewig am Strand rumliegen und baden gehen. Bei dem Wetter, welches Anfang September vorherrschte, sicher eine gute Möglichkeit. Es gab in dieser Zeit keinen Tag unter 25 Grad, an einem wurden sogar die 30 Grad erreicht. Für eine Nordseeinsel ist das viel und normalerweise kein Problem, da immer ein frischer Wind weht. An jenem 30-Grad-Tag jedoch schlief der Wind ein. Ein seltenes Ereignis, sogar am Strand wurde es drückend. Baltrum-Bewohner fanden das nicht lustig, ohne Wind fehlt ihnen ein Lebenselixier.
Ich habe diesen Tag größtenteils in Strandkörben verbracht. Die standen allerdings nicht am Strand, sondern vor Restaurants oder auf der Terrasse des Hotels. Zum Laufen war es zu heiß, und so ein fauler Tag ist ja auch was Schönes.

Wer mehr als drei Tage auf der Insel verbringt muß sich etwas einfallen lassen, was er anfängt mit der Zeit. Da ich eher ein Spaziergänger/Wanderer bin als ein Strandurlauber bekamen sowohl meine Füße als auch meine Kamera in diesen Tagen viel zu tun. Ich hatte mir extra für diesen Urlaub ein moderates Teleobjektiv zugelegt, weil ich etwas von Baltrums Tierwelt, vorwiegend Kaninchen, Vögel und Katzen, aufnehmen wollte. Aber auch die eine oder andere Pflanze und manche Entdeckung am Strand gelang mir während meiner Touren.

Inselkatze

Kaninchen

Eingegrabene Qualle bei Ebbe

Daneben sind es wohl die Abende, die jeden Baltrum-Besucher faszinieren. An der Strandpromenade sitzen und der Sonne zugucken wie sie ins Meer titscht. Ich muß zugeben, das trotz allem romantischen Kitsch, Baltrum wirklich phantastische Sonnenuntergänge zu bieten hat. Ich war an zwei Abenden eher am Strand als an der Promenade unterwegs, und bitte alle Romantik-Verächter mir folgende Bilder zu verzeihen.

Baltrum am Abend

Baltrum am Abend

Baltrum am Abend

Also Fotofritze war ich natürlich auch morgens unterwegs. Mehr als ein paar bunte Streifen am Horizont gab es zwar nicht, aber das störte mich wenig. Luft, oder vielmehr Wind, und Stille waren die wichtigsten Zutaten dieses Morgens. Es ist einfach schön zu erleben, wenn selbst diese kleine ruhige Insel am sehr frühen Morgen noch ruhiger ist als sonst.
Und weil ich nicht nur faul sein oder früh aufstehen wollte, habe ich mich in diesen Tagen zwei Vormittags-Spaziergängen des Nationalpark-Hauses angeschlossen. Erst durch die Baltrumer Salzwiesen, wo ich viel von der besonderen Flora der Inseln erfahren durfte, und am nächsten Tag ein Gang durch die Vogelwelt der Insel. Bis dahin wusste ich z.B. nicht, das Baltrums neue Küstenschutzanlagen um das Westkap herum inzwischen von eher südamerikanischen Vogelarten als Felsenküste angenommen werden.

Baltrumvögel

Baltrumpflanze

Baltrumvögel

Den Abschluß dieses wunderbaren Urlaubs (und dieses ellenlangen Beitrags) bildete eine letzte Nacht in Nessmersiel. Denn natürlich wollte ich zu Egon und ihm von meinem „Langzeit“-Experiment berichten. Er war durchaus angetan aber wohl auch ein wenig unzufrieden, das sein kleiner netter Festlandsort einen Menschen mehr an die Insel verloren hatte. Ich mag ihn, gerade deswegen.
Baltrum ist nun also „meine“ Insel. Und ich werde wiederkommen. Schon bald.

Baltrum morgens

Im Wäldchen

Aufs Festland

Wer mehr Bilder sehen möchte, hier gibt es eine Bildergalerie.