Wenn meine Oma mich als kleinen Jungen im Winter mit einer Schnupfennase erwischte, sagte sie immer: „Jung dat muss doch nech sin.“ Wenige Stunden später hatte sie eine dampfende Suppe auf dem Herd und ein fettes Suppenhuhn weniger im Stall. Und noch heute mache ich mir bei Schnupfenwetter gern eine Hühnersuppe. Auch wenn ihre Heilkraft wissenschaftlich durchaus umstritten ist, für mich steht fest, ich fühle mich danach wohl und warm. Und das ist ja schließlich das Wichtigste, oder?

Im weltweiten Netz finden sich Tausende der unterschiedlichsten Rezepte für diese Suppe, und jede(r) hat so seine Favoriten. Ich hab einfach vor vielen Jahren meiner Oma öfter zugeschaut und daraus mein Rezept entwickelt.
Die Suppe steht und fällt natürlich mit einem guten Huhn oder Hahn. Und da fängt es heutzutage schon an, schwierig zu werden. Das Angebot der Supermärkte besteht zumeist aus jungen Masthühnern, deren widerwärtige Aufzucht mich vom Kauf abhält. Dazu sind diese Tiere auf viel Fleisch und wenig Fett gezüchtet. Was für eine gute Suppe genau die falsche Variante ist. Denn ein Suppenhuhn braucht nicht allzuviel Fleisch und darf auch älter sein. Aber ordentlich Fett muß es haben. Früher hielten sich die reicheren Bauern extra Kapaune die, wenn sie zu alt für den Braten wurden, als Suppengrundlage dienten. Heute bekommt man so etwas nur noch selten. Was, angesichts der Behandlung dieser Hähne zu Lebzeiten, vielleicht auch besser ist.
Ein guter Metzger jedoch wird euch, ggf. auf Bestellung, ein feines fettes Suppenhuhn liefern können. Das Tier wird meist „küchenfertig“, also ausgenommen sein. Für die Brühe bestellt ihr daher am Besten gleich etwas Hühnerklein (Magen, Herz, Hals, etc.) dazu.
Wie das Huhn sollten auch die anderen Zutaten frisch sein. Vor allem das Suppengrün kauft man am besten auf dem Markt oder beim Gemüsehändler. Das mit der Frische wird gern unterschätzt, aber es ist tatsächlich so. Eine Möhre oder Petersilie die drei Tage im Kühlschrank liegen sind nicht mehr frisch. Klar kann man sie immer noch verwenden, aber sie verlieren täglich an Nährstoffen und gerade die sind für eine Hühnersuppe enorm wichtig.
Was ich sonst noch für meine Suppe brauche, steht im nachfolgenden Rezept.

Im Topf



Das Rezept

Zutaten für ca. sechs Teller á 250 ml
Für die Brühe
1 Suppenhuhn, ca. 1 kg
150 Gramm Hühnerklein (Magen, Herz, Hals etc.)
1,5 Liter Wasser
1 Bund (ca. 500 Gramm) Suppengrün
1 große Zwiebel
1 große Knoblauchzehe
1 großes Lorbeerblatt
1 Prise Thymian, getrocknet
1 Esslöffel Butterschmalz

Für die eigentliche Suppe
2 Möhren
1 Zwiebel
1 Schalotte
Petersilie
weiteres Gemüse nach Wahl, z.B. grüne Erbsen, grüne Bohnen, im Frühjahr auch grünen Spargel
2 Eier
2 Handvoll Suppennudeln
Salz und Pfeffer, eine Prise Muskat
etwas Öl

Gerätschaften
2 große Töpfe
2 kleine Töpfe
1 kleine Keramikschale für den Eierstich
1 Schneebesen
1 Schöpflöffel
1 Sieb
1 sauberes Leinentuch
Tranchierschere oder scharfes Messer
evtl. einen Stabmixer

Zubereitung
Huhn und Hühnerklein waschen und trocken. Das Huhn mit der Tranchierschere oder einem scharfen Messer zerteilen. In einen großen Topf geben, 1,5 Liter kaltes Wasser dazu, aufkochen lassen und dann auf kleiner Hitze ca. 1 Stunde köcheln lassen. Wenn sich Schaum bildet, abschöpfen.
In der Zwischenzeit das Suppengrün putzen und waschen. Dabei von der Petersilie das Blattende (kraus oder glatt, das ist egal) abschneiden, beiseite legen und zunächst nur die Stiele verwenden. Die Zwiebel und den Knoblauch schälen. Suppengrün und Zwiebel in grobe Stücke schneiden.
Nach ca. einer Stunde die Fleischteile mit einem Schöpflöffel aus der Brühe heben, und die Brühe durch ein Sieb und ein Leinentuch (kann ein Geschirrtuch sein, nicht gestärkt) abseihen. Dadurch werden Schwebstoffe entfernt und die Brühe wird klar.
Nun lasst ihr im ersten Kochtopf den Esslöffel Butterschmalz schmelzen, gebt das Suppengrün, die Zwiebel und den Knoblauch hinein und bratet das Ganze an. Das Gemüse darf ruhig braun (aber nicht schwarz) werden. Die Röstaromen geben der Brühe mehr Geschmack und eine schöne gelbe Farbe. Dann die Hühnerteile und die Brühe wieder dazu geben und ca. 20 min köcheln lassen.
Inzwischen in einem kleinen Topf Salzwasser erhitzen und die Suppennudeln weich kochen. Dann durch ein Sieb abgießen und beiseite stellen.
Für den Eierstich verquirlt ihr zwei Eier, würzt sie mit Salz, Pfeffer und einer Prise Muskat, und gebt sie in eine mit Öl ausgestrichene Keramikschale. Diese stellt ihr in einem weiteren kleinen Topf für ca. 15-20 min ins heiße Wasserbad. Deckel auf den Topf nicht vergessen! Das rumpelt ein wenig, ist aber richtig so.
Nun bereitet ihr die eigentliche Suppe zu. Das geht recht schnell. Die Hühnerteile lasst ihr etwas abkühlen und löst dann das Fleisch von den Knochen. Kleinschneiden und in die Brühe geben. Ebenso putzt ihr jetzt das übrige Gemüse (Möhren, Zwiebel, Schalotte, Petersilienköpfe und weiteres nach Wahl), schneidet es klein und gebt es in den Topf. Aufkochen lassen und nochmal ca. 15 min köcheln. Fünf Minuten vor Ende die Nudeln zugeben. Dann den Herd ausschalten, den Eierstich aus der Schüssel stürzen, kleinschneiden und in die Suppe geben. Und erst jetzt(!) das Ganze mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Auf dem Teller

Dieses Rezept mag vielleicht kompliziert klingen, ist es aber nicht wirklich. Ok, ich treibe etwas mehr Aufwand als in manchem Kochforum, ich finde aber das genau das sich lohnt. Das Ergebnis schmeckt kräftig, sieht gut aus und sollte euch lange wärmen.

Noch zwei Tips zum Schluß; diese Suppe lässt sich auch gut einfrieren. Es kann dabei höchstens passieren, das der Eierstich etwas zerfällt, das macht aber nicht viel aus. Tip 2; Das ausgekochte Suppengemüse müsst ihr nicht wegwerfen. Ich püriere das Gemüse und friere es in Eiswürfelportionen ein. Dann eignet es sich hervorragend zu Andicken von Saucen und Eintöpfen. Und falls Fleisch vom Huhn übrig bleiben sollte, lässt sich das auch für ein Hühnerfrikassee verwenden.

Nun aber, guten Appetit.