Bahnfahren, was sonst?

Als Vielreisender denkt man irgendwann zwangsläufig über sein bevorzugtes Verkehrsmittel nach. Bei mir ist es die Eisenbahn, Das hat drei Gründe;
a) Ich habe kein Auto. Weil ich keines brauche. In meiner Wohngegend erreiche ich alles Notwendige zu Fuß. Läden, Apotheken, Ärzte usw. usf.. Ein Auto hat hier nur einen Zweck, den der Parkplatzsuche.
b) Wenn ich mir vorstelle, das ich in irgendeiner Stadt meiner Arbeit, sei es Nürnberg, Hamburg oder Leipzig, am Freitagabend gegen 17:00 Schluß mache und mich anschließend noch 500 km oder mehr ins Auto setzen müsste um nach Hause zu fahren, dann graust es mir.
c) Ich stamme aus einer alten Eisenbahnerfamilie. Schon mein Urgroßvater war Bahnhofsvorsteher in Breslau und ich selbst habe den Anfang meines Berufslebens bei der Deutschen Reichsbahn verbracht. Na, wenn das keine Tradition ist… :)

Hauptbahnhof Leipzig

Bahnfahren also. Leider muß man heutzutage einiges beachten und die Reisen vorab gut organisieren damit nichts schief geht. Denn die Deutsche Bahn krankt nicht nur am allgegenwärtigen Optimierungswahn, sondern darüber hinaus an der irrwitzigen Vorstellung, man könne lebensnotwendige Infrastruktur wie ein gewinnoptimiertes privates Unternehmen führen. Die Bahn gehört in Staatshand. Punkt. Und dieser Staat hat auch für das notwendige Geld (für Material wie für Personal) zu sorgen. Nochmal Punkt.
Leider ist es nicht an dem, und so leben wir Reisenden mit maroden Gleisen, maroden Zügen und ständigen Verspätungen sowie verpassten Anschlüssen.

Und falls eine/r von euch trotzdem überlegt, auf die Bahn umzusteigen, hier ein paar Tips von einem alten Bahnfahrer:
– Wenn du viel im Fernverkehr unterwegs bist, kauf dir eine Bahncard. Es muß nicht die 100er sein, die ist eher ein Luxusgut. Die 25er bringt aber auch nix, denn dann hast du eine Zugbindung. Das heißt, du darfst keinen Zug verpassen, sondern bist auf deine gewählte Verbindung, inkl. Anschlusszüge angewiesen.
Ich fahre gut mit der Bahncard 50, 50% Preisnachlass, keine Zugbindung und wenn man (wie ich) Punke mit der BC sammelt hat dies weitere diverse Vorteile (nachzulesen auf bahn.de/bahncard).
Für den Regiopendler ist die Bahncard eher unsinnig. Hier gibt es mit Zeitkarten, Jobtickets etc. bessere Angebote.
– Wiederum für Fernfahrer; organisiere deine Fahrten! Auf http://reiseauskunft.bahn.de oder über die Navigator-App der DB kannst du deine Reise planen. Versuche möglichst wenig umzusteigen und wenn doch, dann plane mind. 20 min Umsteigezeit ein. Auch wenn die Strecke mit weniger Umstiegen eine halbe Stunde mehr Zeit kostet, was nutzt dir die schnellere Strecke, wenn der Anschluß weg ist?
– Nimm dir auf die Fahrt mindestens etwas zu trinken mit. Noch besser auch etwas zu essen. Manchmal dauert so eine Fahrt eben länger (bei einem Unfall unterwegs sogar viel länger). Und manchmal wird es auch sehr warm im Zug. Die Bordrestaurants sind entweder teuer oder nicht vorhanden.
– Zum Schluß; reserviere deinen Platz! Ich wundere mich immer wieder über Menschen, die freitagsabends in München einsteigen, nach Köln wollen und dann auf die Bahn schimpfen, weil es keine freien Plätze gibt. Na sowas aber auch!

Ja, aber was das kostet! Immer wieder höre ich das Argument das die Bahnpreise zu hoch seien. Bahnfahren kostet Geld, soweit stimmt das. Und wer ein Angebot eher selten nutzt wird dafür meistens mehr bezahlen als regelmäßige oder gar Vielnutzer. Ich, (meist) alleinreisend, viel unterwegs und 90% davon auf Fernstrecken, kann nur aus meiner Nutzersicht urteilen. Aus dieser Sicht sind die Bahnpreise günstiger als Auto oder Flieger.
Im Regional- und Nahverkehr sieht es leider anders aus, den nutze ich aber deutlich weniger. Abgesehen davon werden diese Preise nicht von der Bahn alleine, sondern den regionalen Verkehrsverbünden (in denen die DB Mitglied ist) festgesetzt. Das sie dennoch zu hoch sind steht außer Frage.
Aber zurück zum Fernverkehr, ich habe mal ein paar Beispiele für Fahrtzeiten und Preise zusammengestellt (alle Preise für die 2.Klasse):
Köln Hbf – Stuttgart Hbf (ICE mit max. 1 Umstieg)
Fahrtzeit: 2:09 bis 2:13; Preis (mit BC50): 54,50 Euro + Reservierung 4,50 Euro
Köln Hbf – München Hbf (ICE mit max. 1 Umstieg)
Fahrtzeit: 4:32 bis 4:41; Preis (mit BC50): 71,00 Euro + Reservierung 4,50 Euro
Köln Hbf – Hamburg Hbf (IC mit max. 1 Umstieg)
Fahrtzeit: 4:02 bis 4:10; Preis (mit BC50): 43,50 Euro + Reservierung 4,50 Euro
Köln Hbf – Berlin Hbf (ICE ohne Umstieg)
Fahrtzeit: 4:25 bis 4:28; Preis (mit BC50): 58,50 Euro + Reservierung 4,50 Euro
Die Bahncard 50 (2. Klasse) kostet übrigens derzeit 255,00 Euro/Jahr.

Klar, ich wohne eisenbahntechnisch gesehen sehr zentral. Ähnlich kurze Verbindungen bieten neben Köln wohl nur Mannheim Hbf, Frankfurt Flughafen und Berlin (von den Strecken in den Südwesten abgesehen). Und wer auf dem Land wohnt wird dennoch nicht ohne Auto auskommen.
Wie geschrieben, ich bin ein alter Eisenbahner. Manches in diesem Artikel mag daher subjektiv gefärbt sein. Aber so ist es eben.

Als alter Eisenbahner mag ich natürlich, neben den aktuellen, auch alte Eisenbahnen. Ein paar davon seht ihr bei meinen Fotos.


18. März 2014

5 thoughts on “Bahnfahren, was sonst?”

  1. Moin Ralf!

    Ein klares ‚Pro Bahn Statement‘, gefällt mir! :-)

    Ich gestehe, auch das private Auto hin und wieder zu bemühen, aber Bahnfahren ist i.d.R. um einiges streßfreier, besonders dann, wenn die Bahnfahrt selbst zum Ziel und das eigentliche Ziel zur Motivation werden. Diese Fahrt z.B. mit einer historischen Dampflokomotive kreuz und quer durch die wundervolle Landschaft der San Juan Berge in Colorado von Durango bis nach Silverton werde ich sicherlich nie vergessen. Die absolute Entschleunigung und das pure Genießen.

    https://s1.shotroom.com/img/160219/RbCPx_o.jpg

    Sei ganz herzlich gegrüßt, Reisender! ;-)
    Frank

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