Langeneß – Winter auf der Hallig

Am Start

Wie fast immer im Winter brauchte ich auch in Diesem meine kleine Auszeit. Wie ebenfalls fast immer zog es mich nach Norden. Und weil ich die Gegend von Ostfriesland bis Kiel inzwischen recht gut kenne, war Nordfriesland mein diesjähriges Ziel. Genauer gesagt die Hallig Langeneß, die größte der nordfriesischen Halligen. Ausruhen und ein bißchen fotografieren wollte ich. Beides kam zustande, jedoch anders als gedacht.
Langeneß

So eine Hallig ist schon speziell, erst recht im Winter. Ich fuhr nicht unvorbereitet hin, hatte Berichte gelesen und Bilder angeschaut. Glaubte also ungefähr zu wissen, was mich nach zwei Stunden Überfahrt mit der Fähre erwarten würde. Was ich dann erlebte entsprach in Manchem meinen Vorstellungen, in Anderem wurde ich überrascht. Da waren zunächst

Die Halligmenschen

Ich habe nicht viele kennengelernt und doch ein paar interessante Geschichten gehört. Die von der jungen Frau z.B., welche einen Halligmann geheiratet hatte, sich dann scheiden ließ und eigentlich weg wollte. Sich es dann doch anders überlegte und ein geschlossenes Café wieder eröffnete. Mit viel Herz und Leidenschaft betreibt sie die kleine Klönstube ganz allein, kocht und backt zur Freude der Urlauber und der meisten Bewohner. Und manchmal singt sie auch.

Treuberg

Biikebrennen

Andere Geschichten handeln z.B. von der Schwierigkeit, wieder einen Halligladen zu bekommen, damit nicht jedes Brot und jedes Stück Butter vom Festland geholt werden muß. Oder dem alten Postschiffer, der seinen heutigen Feriengästen etwas ganz Besonderes zu bieten hat. Oder den Gründen, warum es zum Biikebrennen zwei Feuer auf der Hallig gibt.
Es sind diese Geschichten, die man eben nicht vorher lesen kann. Und die für mich einen der besonderen Momente dieser Reise ausmachen.

Stille, dunkle Nächte

Nächte in deutschen Städten sind weder still noch richtig dunkel. Auf der Hallig ist das anders. Es war ein beeindruckendes Erlebnis, nachts wenige Meter von der Warf wegzugehen und nichts mehr zu hören. Keinen Vogel, keine Menschen, keine Autos. Selbst das Meer schien in diesen Nächten still zu werden. Ja tatsächlich, wo auf Inseln oder an anderen Stränden nachts noch Brandung rauscht, schläft selbst das Meer um die Hallig ein. Vielleicht lag es am Wetter, es hatte sehr windstille Tage in diesem Februar.

Rixwarf am Abend

Sonnenuntergang

Und es war dunkel in diesen Nächten. Also richtig dunkel, ohne den Widerschein menschlicher Behausungen am Himmel. Spätestens ab Mitternacht, wenn auf den Warften das letzte Licht verlosch, konnte ich ohne eine kleine Taschenlampe keinen Weg mehr finden. Und auch die Lampe machte ich schnell wieder aus, weil sie störte in diesem wunderbaren Dunkel. In zwei Nächten gab es klaren Himmel ohne Mond, und mithin haufenweise Sterne. Mein Versuch diese Pracht zu fotografieren schlug zwar kläglich fehl, aber ich weiß ja was ich gesehen habe.
Womit ich bei der dritten beeindruckenden Erkenntnis bin, dem

Motivwahnsinn Hallig

Natürlich hatte ich meine Kamera dabei udn natürlich freute ich mich darauf, ein paar hübsche Bilder zu schießen. Denn was kann man schon erwarten von einem recht kleinen Eiland mitten im Meer, flach wie eine Flunder mit ein paar aufgeschütteten Hügelchen für die Häuser? Ich jedenfalls habe nicht erwartet, nach sieben Tagen mit knapp 600 Fotos zurückzufahren. Ja, ich habe mich eingelassen auf diese herbe Landschaft, auf die Details und auf Experimente. Natürlich auch auf Sonnenauf- und untergänge, aber eben vor allem auf das Gras, die Steine, das Wasser, auf die Zeugnisse menschlichen Daseins und die Wunder im Kleinen. Von allem gibt es reichlich. Das ist auch an anderen Orten so, dennoch hat mich Langeneß getroffen, wo ich es nicht erwartete.

Was ist das?

Nach Landunter

Niedrigwasser

Und trotz allem habe ich erst knapp die Hälfte der Hallig erkunden können. Die andere Hälfte wartet also noch auf mich. Ein Anreiz mehr wiederzukommen, im Sommer vielleicht, wenn es nicht mehr ganz so kalt ist. Aber hoffentlich noch genauso schön.
Bildergalerie Langeness

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.