Linux und ich – Tag2 Software

Linux Mint bringt etliche Programmpakete für den täglichen Gebrauch bereits mit. Diese erscheinen im Startmenü nach Kategorien geordnet, etwa Büro – Grafik – Internet etc.. Das ist alles Open-Source-Software, also sofort und für immer frei benutzbar. Keine Demos, Adware oder ähnliches. Einige Programme nutze ich auf dem Mac schon lange, andere sind mir unbekannt und vor manchen graust es mir schon jetzt. Dazu weiter unten mehr.

Als erstes habe ich aber noch einen Nachtrag zu gestern. Ich muß das System natürlich noch etwas für mich herrichten. Die Farben, Icons und Systemschriften gefallen mir schon ganz gut. Den Schreibtischhintergrund hätte ich gern etwas frühlingshafter und die Systemleiste am unteren Rand könnte ebenfalls noch etwas Kosmetik vertragen. Danach sieht mein Desktop so aus:

Bildschirmfoto-1
Schon ganz nett, oder? Nun aber ran an die benötigten Programme. Wie oben geschrieben organisiert Linux Mint seine Anwendungen in einer Art Startmenü, wie man es von Windows kennt. Neben den Bereichen »Orte« und »System« mit den entsprechenden Möglichkeiten findet sich ein großer Bereich für die Anwendungen. Nicht alle auf einmal, sondern schön in Kategorien sortiert. Das gesamte Menü inkl. der Kategorien lässt sich frei konfigurieren, so daß sich jeder Nutzer zusammenstellen kann was er oder sie braucht. Darüber hinaus gibt es einen Bereich »Favoriten« in dem man sich die bervorzugten Anwendungen zusammengefasst anzeigen lassen kann. Das ist fein gelöst und ich vermisse in keinem Augenblick das Dock von Mac OS X, welches ich sonst sehr mag. Das Startmenü kann sogar noch mehr, dazu aber später.
Und sollten die mitgebrachten Anwendungen nicht ausreichen, oder die gewünschten Features ungenügend erfüllen, führt der Weg in die Anwendungsverwaltung. Dies ist eine Art App-Store für Linux und enthält derzeit knapp 72.000 Programmpakete.

Anwendungsverwaltung
Anwendungsverwaltung

Im folgenden halte ich mich in etwa an die Kategorien des Hauptmenüs und beschreibe meine Anforderungen an deie diversen Programme. Los gehts mit

Internet- und E-Mail-Software
Für diesen Bereich stellt Linux Mint Firefox als Browser, Thunderbird für die Mails, sowie HexChat/Pidgin (Messenger) und Transmission (Torrent-Client) zur Verfügung.
Zu Firefox muß man, denke ich, nicht mehr viele Worte verlieren. Ich selbst nutze FF seit Jahren als Standardbrowser auf dem Mac, so daß mir das Einrichten inkl. Add-Ons und Lesezeichen-Import vom Mac schnell vor der Hand ging. Einziges Problem hierbei: Die Schrift wird auf etlichen Seiten sehr klein dargestellt. Alle meine Versuche, dies per Einstellungen zu ändern führten leider zu keinem Ergebnis. Vielleicht hat ja einer meiner Leser einen Tip für mich und schreibt ihn netterweise in einen Kommentar.

Firefox
Firefox

Als E-Mail-Client sieht Linux Mint Thunderbird vor. Das ist normal und wohl der Verbreitung und der Herkunft (Mozilla) des Tools geschuldet. Auch dieses Programm ist mir seit Jahren bekannt, aber wahrscheinlich kennt ihr das; wenn man etwas nicht mag, dann helfen auch keine noch so guten Argumente. Und ich hab Thunderbird noch nie gemocht, ohne wirklich sagen zu können warum eigentlich nicht. Das Handling ist einfach nicht meins. Zum Glück gibt es ja Alternativen. Also ab in die Anwendungsverwaltung und die Kategorie Internet > E-Mail aufgerufen. Insgesamt werden hier 722 Pakete angeboten, von denen allerdings relativ wenige vollwertige Anwendungen sind (Plugins und Sprachen zählen ebenfalls als Pakete). Mit einem Doppelklick auf die Anwendung öffnet sich ein Details-Fenster und wenn einem das Programm gefällt, reicht ein Klick auf »Installieren«. Alles weitere erledigt Linux selbsttätig.

Installieren?
Installieren?

Ich habe mir zwei Programme installiert um eine gewisse Auswahl zu haben. Zunächst war das kmail, ein ebenfalls verbreiteter Mail-Client. Leider konnte ich ihn nicht zum Starten überreden, da kmail ständig einen fehlenden Akonadi-Server anmeckerte. Da ich weder eine Ahnung habe was das für ein Server ist, noch Lust dazu mich lange mit zickigen Programmen herumzuärgern, befindet sich kmail nunmehr nicht mehr auf der Platte. Was übrigens ähnlich einfach vonstatten ging wie die Installation. Einfach im Hauptmenü den Programmeintrag mit rechts anklicken und aus dem Kontextmenü »Deinstallieren« wählen. Weg isses.
Das zweite Mail-Programm nennt sich Sylpheed, war mir vorher unbekannt, lässt sich aber einfach einrichten und erfüllt meine Ansprüche. Ich bleibe also erstmal dabei.

E-Mail mit Sylpheed
E-Mail mit Sylpheed

Jetzt fehlten mir nur noch ein FTP-Client und ein HTML/CSS/PHP-Editor. Bei ersterem entschied ich mich für FileZilla, das ich schon kannte und das tut was es soll (es war lediglich nicht vorinstalliert). In Sachen Editor hat man auf Linux die wohl geringsten Probleme. Die Auswahl ist unüberschaubar und selbstverständlich bringt auch Linux Mint ein solches Programm schon mit. Es nennt sich Pluma, beherrscht neben reinem Text auch HTML, CSS, PHP und ganz viele andere Script- bzw. Programmiersprachen. Was ihr hier gerade lest, ist ebenfalls damit geschrieben.
Kommen wir zum Thema

Office
Meine Arbeit bringt es mit sich, das ich sehr viel mit gelieferten Dokumenten umgehen muß. Darüber hinaus erstelle ich selbst Dokumente in bestimmten Layouts, muß welche einscannen und PDFs generieren. Die gelieferten Dokumente kommen aus MS Word und Excel, enthalten manchmal Makros und setzen zum Teil vom Auftraggeber zur Verfügung gestellte Schriften voraus. Die natürlich installiert sein müssen.
Letzteres geht wiederum relativ einfach, wenn man weiß wie. Denn Linux bringt keine eigene Schriftverwaltung mit, auch einen Fontordner oder eine entsprechende Systemeinstellung sucht man vergebens. Mit ein wenig Web-Recherche löst sich die Aufgabe aber recht schnell. Schrift irgendwo auf der Platte ablegen, Doppelklick und dann »Schrift installieren« wählen.
Das klappt gut mit TrueType- und OpenType-Fonts, mit Postscript-Schriften ist es mir bisher noch nicht gelungen. Weiterer Nachteil; man muß auf diese Art jeden Schriftschnitt einzeln installieren, was bei gut ausgebauten Fonts mit 20 oder mehr Schnitten mühsam werden kann. Es gibt aber auch diverse Fontmanager für Linux, die einem diese Arbeit vielleicht abnehmen. Bisher habe ich das noch nicht ausprobiert, vielleicht tue ich das noch.

Schrift installieren
Schrift installieren

Für meine Anforderungen wäre vielleicht auch ein kleines Dokumenten-Management-System geeignet, allerdings bin ich bisher ohne ausgekommen, was natürlich eine klar definierte Datenorganisation voraussetzt. Da ich diese habe, wende ich mich lieber den nötigen Programmen zu.
Linux Mint liefert LibreOffice, SimpleScan und einen PDF-Viewer mit. Fehlt noch ein einfaches Layout-Programm, welches ich mit Scribus finde. Sowohl LibreOffice als auch Scribus können PDF-Dateien exportieren, so daß auch dieser Part abgedeckt ist. Ausführlich werde ich meinen Workflow mit diesen Programmen morgen testen.
Ein weiterer Teil meiner Arbeit als Freiberufler ist die Buchführung. Hier wird es wesentlich enger mit der Auswahl. Was auch daran liegt, das die meisten Linux-Programmierer nunmal in den USA sitzen, und sich mit deutschen Buchführungs- und Steuerrichtlinien verständlicherweise nicht auskennen. Ich habe dennoch ein deutsches Programm gefunden, leider nicht über die Anwendungsverwaltung. Mehr dazu ebenfalls morgen.

Scribus
Scribus

Fotos, Bildbearbeitung und Schreiberei
Ich habe zwei große Hobbys, Fotografieren und Geschichtenschreiben. Da meine Kamera RAW-Dateien liefert brauche ich einen entsprechenden Konverter und Entwickler. Auf dem Mac verwende ich dafür seit über sechs Jahren Adobe Lightroom, da liegt meine Meßlatte natürlich entsprechend hoch. Auch wenn man Adobe-Tools nur bedingt mit Open-Source-Projekten vergleichen kann. Die Palette an freien RAW-Konvertern ist allerdings recht breit, ich habe mir drei (Digikam, RawTherapee und Darktable) installiert und werde sie ausgiebig testen. Sollte mir keines davon gefallen, gibt es weitere Alternativen. Dazu hätte ich gern noch ein einfaches Tool für schnelle JPG/PNG-Bearbeitung. Hier ist natürlich Gimp vorinstalliert, könnte mir aber zu umfangreich sein. Getestet wird es trotzdem. Zu guter Letzt fotografiere ich manchmal Belichtungsreihen und erstelle daraus HDR-Bilder. Auch dafür wird sich sicherlich ein Programm finden. Mal sehen, ob ein Tag zum Testen dafür ausreicht.

RawTherapee
RawTherapee

Zum Schreiben, sowohl im Büro als auch fürs kreative, private Schreiben sind eigentlich alle Tools vorhanden. Dennoch wünsche ich mir eine Software analog zu Ulysses auf dem Mac, mit der ich neben dem Haupttext auch Notizen anlegen, Kapitel verwalten und anderes kann. Außerdem mag ich ablenkungsfreies Schreiben, also nur der Text und ich ohne andere Bildschirminhalte. Zumindest für letzteres habe ich bereits ein hübsches kleines Tool namens FocusWriter gefunden. Nach anderen Tools werde ich noch suchen.

Ablenkungsfreies Schreiben
Ablenkungsfreies Schreiben

Im Prinzip sind das alle Programme, welche ich für mein Projekt benötige. Daneben bringt Linux Mint eine ganzer Reihe nützlicher Tools mit, wie einen Screenshotgenerator (heute schon häufig benutzt und für gut befunden) oder auch diverse Mediaplayer. Die werden natürlich auch ausprobiert.
Insgesamt hat mir dieser Tag heute schon gut gefallen. Die virtuelle Maschine läuft auch nach mehreren Stunden noch flüssig, Linux hat nicht ein einziges Mal gezickt, trotz etlicher Installation, Dateivorgänge, vieler offener Programme etc.. Das fühlt sich gut an.
Morgen geht es ans Testen meines Arbeitsworkflows. Wenn sich Linux dann so benimmt wie heute, wäre ich schon recht zufrieden.

Weiter gehts hier:
Linux und Ich – Tag3 Arbeiten

6 thoughts on “Linux und ich – Tag2 Software”

    1. Moin Christian, Evolution habe ich noch auf dem Schirm für den Fall das ich mal in Richtung Groupware gehen will oder muß. Bisher ist das nicht der Fall, aber ausprobieren schadet ja nix.
      Danke für den Kommentar.

    2. Hallo Christian, nachdem ich heute feststellte das ich ja einen OpenXChange-fähigen Kalender benötige, habe ich nun doch Evolution installiert. Läuft bisher ganz ordentlich.

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