Linux und ich – Tag4 Buchen

Zum Leben eines Freiberuflers gehören nicht nur Kundenprojekte, sondern eben auch das Thema Buchführung und Steuern. Unter Apple- und Linux-Usern wird besonders die »Elektronische Steuererklärung« heiß diskutiert, vor allem weil die Finanzbehörden es bis heute nicht schaffen, ihre Elster-Software für Mac/Linux anzubieten. Für die eigentliche Buchführung ist dies jedoch zunächst unerheblich.
Natürlich kann man seine Einnahmen und Ausgaben auch in einer Tabelle auflisten und diese zusammen mit den Originalbelegen einem Buchführungsbüro oder Steuerberater übergeben. Muß man aber nicht. Denn wer sich ein wenig mit der Materie beschäftigt, ist durchaus in der Lage seine finanziellen Vorgänge selbst richtig zu verbuchen.
Das kostet ohne Frage Zeit, hilft aber auch dabei die eigenen Geschäftszahlen besser im Blick zu haben und die (hoffentlich) richtigen Schlüsse zu ziehen.

Linux-Software für die Buchhaltung
Kurz gesagt; es ist mühsam aber nicht unmöglich, überhaupt ein Programm dafür zu finden. Die Anwendungsverwaltung findet zum Suchbegriff »Buchhaltung« genau eine Software für die geschäftliche Buchhaltung: gnucash, welches ich natürlich testen werde. Hat sich das Thema damit erledigt? Natürlich nicht, nur die komfortable Anwendungsverwaltung muß diesmal außen vor bleiben.

gnucash in der Aktualisierungsverwaltung
gnucash in der Aktualisierungsverwaltung

Manuelle Recherche im Netz ist angesagt, die wiederum einiges zu Tage bringt. Vorallem stoße ich dabei auf Lin-HaBu, eine kostenpflichtige Software von zwei deutschen Progarmmierern. Das Programm gibt es auch für Windows (Win-HaBu) und Mac OS X (Mac-HaBu) und bringt erfreulicherweise eine Elster-Schnittstelle mit. Eine 60-Tage-Demoversion ist verfügbar, das sollte für einen Test reichen.
Weil sich Lin-HaBu aber nicht über die Anwendungsverwaltung installieren lässt, wird es etwas kniffliger. Ich habe die Software in meinen persönlichen Ordner gelegt, nur wie bekomme ich sie ins Linux-Hauptmenü? Mit etwas Tüfteln und Probieren gelingt mir schließlich auch das. In den Einstellungen des Hauptmenüs finde ich die Möglichkeit, der jeweiligen Kategorie einen neuen Eintrag hinzuzufügen. Somit steht Lin-Habu nunmehr korrekt in der Kat. Büro und lässt sich daraus starten.
Hauptmenü mit Lin-HaBu
Hauptmenü mit Lin-HaBu

Lin-HaBu
Eine kleine Warnung vorweg, falls jemand auf die Idee kommen sollte, die Software mal eben schnell ausprobieren zu wollen. Das wird nicht funktionieren. Das Programm ist nicht selbsterklärend und wer nicht weiß, wie doppelte Buchführung geht oder mit Begriffen wie Kontierung, Abschreibung, EÜR etc.pp. nichts anfangen kann, sollte die Finger davon lassen. Selbst ich mit etlichen Jahren Buchhaltungserfahrung auf dem Buckel, muß manchmal noch zum Handbuch greifen. Zurück zum Programm selbst.
Das in der Branche der Buchhaltungssoftware keine Schönheitspreise vergeben werden, sollte jedem klar sein, der sich damit befasst. Die Oberfläche wirkt genauso altbacken wie die seiner meisten »Brüder und Schwestern«. Nach der Installation muß man zunächst einen Mandanten (sich selbst oder seine Firma) anlegen und dabei z.B. den Standardkontenrahmen (SKR) festlegen. Schon hier muß man wissen, welchen man benötigt, denn hinterher kann der SKR nicht mehr geändert, nur noch ergänzt werden. Desweiteren werden bei den Mandanten bestimmte Voreinstellungen wie Steuerschlüsselverwaltung, Kostenstellen etc. festgelegt.
Hat man das geschafft, öffnet sich Lin-Habu mit einer schmalen Leiste voller Icons und einem Menü. Mehr ist erstmal nicht zu sehen. Immerhin gibt es Tooltips für die Icons. Um starten zu können muß man wenigstens das Fenster »Buchen« öffnen. Hilfreich ist dazu noch das Journal zu öffnen, um die erfolgten Buchungen auch sehen zu können. Ich lege mir meist auch noch das Fenster mit dem Kontenplan in den Hintergrund, um ggf. schnell ein nötiges Konto recherchieren zu können.
Lin-HaBu
Lin-HaBu

Nach einem etwa zweistündigen Test kann ich immerhin sagen, das LinHaBu nicht das schnellste Stück Software ist (das ist übrigens kein mir bekanntes Programm dieser Art), aber alle für einen Freibrufler oder ein kleines Unternehmen notwendigen Funktionen mitbringt. So sind Gewinn- und Verlustrechnung, Einnahme/Überschußrechnung, diverse (teils grafische) Auswertungen und nicht zuletzt eine Elster-Schnittstelle mit an Bord. Diese Schnittstelle ermöglicht Dauerfristverlängerungen und die Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldungen. Also das, was andere Software in dem Bereich ebenfalls tut. Jahreserklärungen für USt. und ESt. sind leider nicht möglich, so daß hier auf die wenigen Möglichkeiten der Finanzämter (Elsterformular für Windows oder ElsterOnline) zurückgegriffen werden muß.
Lin-HaBu kostet in der Freiberufler-Version ohne Faktura 80 € (vermutlich pro Jahr), mit Faktura 120 € und ist hier erhältlich.

gnucash
Hm. Nach der ersten Testrunde bin ich etwas ratlos. Das Programm startet mit einer leeren Oberfläche (die zugegeben etwas hübscher ist als die meisten anderen), was danach passieren soll erschließt sich mir zunächst nicht. Da auch die Hilfe nicht wirklich funktioniert (Fehlermeldung »gnucash:help verweist auf eine ungültige Seite«) bleibt erstmal nur Ausprobieren. Immerhin, mit dem Klick auf Datei/Neu habe ich die Möglichkeit einen Kontenplan auszuwählen, der mit dann im Reiter Konten angezeit wird. Und im Menü findet sich unter Aktionen sogar ein Eintrag »Buchen«. Unerklärlich bleibt mir aber, weshalb in der Voreinstellung dieses Dialogs die Häkchen für »Erträge und Aufwendungen anzeigen« nicht gesetzt sind und ich so keine entsprechenden Konten angezeigt bekomme.
Dazu fehlen zunächst jegliche Stammdaten zur eigenen Firma. Bis ich darauf kam diese Daten unter Datei/Eigenschaften zu vermuten, hat es eine Weile gebraucht. Kurz gesagt; die Bedienungsmetapher von gnucash weicht erheblich von allen mir bekannten Buchführungsprogrammen ab. Das muss ja nichts Schlechtes sein, dann aber sollte wenigstens die Hilfe/Dokumentation aus dem Programm heraus funktionieren. Das Handbuch auf der Website ist zudem eine krude Mischung aus deutschen und englischen Passagen und damit mehr oder weniger unbrauchbar.
Ich werde der Anwendung noch eine Chance geben, aber nicht mehr heute.

gnucash
gnucash

Fazit
Das die Auswahl an Buchführungssoftware beschränkt ist, war mir vorher klar, auf dem Mac ist das nur wenig anders. Wer aber auf OpenSource besteht und/oder nicht für ein Programm bezahlen will, dem bleibt nur gnucash. Das wäre im Moment keine Option für mich. Zumal die nicht funktionierende Hilfe keine gute Einladung fürs Weitermachen ist.
Lin-HaBu ist zwar kostenpflichtig (zumindest nach 60 Tagen), bringt aber alle notwendigen Funktionen mit. Damit könnte ich mich anfreunden.

Für heute soll es das gewesen sein. Ab morgen befasse ich mich mit dem Thema RAW-Konvertierung und Bildbearbeitung. Darauf bin ich wirklich sehr gespannt.

Weiter gehts hier:
Linux und Ich – Tag5 – Bildbearbeitung Teil I

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