Linux und ich – Tag5 Fotos I

Wie schon am Tag2 beschrieben, fotografiere ich gern. Da meine Kamera Bilder im sogenannten RAW-Format (als DNG) aufnimmt, will ich die Vorteile dieses Formats auch unter Linux nutzen. Als Referenz dient mir Adobe Lightroom. Denn damit arbeite ich seit über sechs Jahren auf dem Mac und es erfüllt meine Ansprüche an einen RAW-Konverter/Entwickler voll und ganz. Also habe ich mich schlau gemacht und nach vergleichbaren Programmen für Linux gesucht. Mit dem Ergebnis, das es eine Menge Open-Source und eine kommerzielle Software gibt. Deshalb zu Beginn eine kleine Übersicht.

RAW-Konverter für Linux
Die Anwendungsverwaltung gibt als Suchergebnis insgesamt sechs freie Programme aus.
Im einzelnen sind das:
– Darktable
– Digikam
– dcraw
– rawstudio
– RAWtherapee und
– UFRaw (auch als Gimp-Plugin verfügbar)
Das sind nach meiner Recherche auch die bekanntesten und beliebtesten Programme der Linux-Gemeinde. Ich habe aus dieser Liste Darktable, Digikam und RAWtherapee installiert und werde diese einzeln testen.
Das Thema kommerzielle Software für Linux ist unter den Usern in ständiger Diskussion und durchaus umstritten. Mir ist das erstmal egal. Was an dieser Stelle zählt ist, es gibt einen der großen Player im Grafikbereich, der seinen RAW-Konverter für Linux anbietet. Corel AfterShot Pro ist auch als Demoversion verfügbar und daher ebenfalls Teil meines Tests.
Insgesamt also vier Anwendungen, die sicher alle mehr als nur ein paar Stunden Einarbeitung verdient haben. Dennoch will ich versuchen, wenigstens einen ersten Eindruck zu bekommen.

Was erwarte ich von einem RAW-Konverter?

Kurz gesagt, ich habe einen eingespielten Workflow mit Lightroom und versuche, diesen mit der vorhandenen Linux-Software nachzubilden. Zu meinem Workflow gehören folgende Eckpunkte:
1) Import vorhandender Bilder aus der Kamera (also kein Tethering)
2) Bilder in meiner gewünschten Struktur ablegen und Schlagworte setzen
3) Bilder markieren, ggf. bewerten
4) Entwickeln: Objektivkorrektur inkl. CA, Ausrichten & Zuschneiden, Reparaturpinsel, Weißabgleich, Gradationskurve, Belichtung/Lichter/Schatten bearbeiten, Mittenkontrast, Sättigung für einzelne Farben, Farbkorrektur per Luminanz/Farbton, Schärfen und Entrauschen
5) Übertragung der vorgenommenen Entwicklung auf andere Bilder, Arbeiten mit mehreren Bildversionen (virtuelle Kopien)
6) Export (auf Festplatte) und/oder Übergabe an externe Software (Gimp o.ä.)
Ein Export zu Online-Diensten, Erstellung von Webgalerieen und ein Druckmodul sind mir weniger wichtig, aber schön wenn es geht. Ideal wäre ein frei konfigurierbarer FTP-Upload (z.B. in mein selbstgehostetes WordPress-Blog), den wünsche ich mir von Lightroom schon sehr lange.
Dazu eine möglichst intuitive und verständliche Oberfläche oder wenigstens eine gut ausgebaute Hilfefunktion.
Das sind sicher keine professionellen Ansprüche, eine Software die mir diese Möglichkeiten bietet wäre aber ein Pluspunkt für Linux.
Ich beginne mit den Open-Source-Programmen, der erste Kandidat heißt

Der Start von Darktable
Der Start von Darktable

Darktable
Das Programm startet mit einer fast leeren Oberfläche die einen Hinweis auf die leere Sammlung enthält und Tips zum Import von Bildern gibt. Ein Direktimport von der Kamera ist nicht möglich, die Bilder müssen erst in einen Ordner auf der Festplatte kopiert werden. Digikam nutzt dann diesen Ordner zum Erstellen seiner Sammlung und schreibt während des Importvorgangs XMP-Dateien neben die Bilder.
Darktable-Sammlung
Darktable-Sammlung

Für mich sehr ungewohnt ist der Umgang mit den Bildern. Schlagwörter werden erst nach dem Import in einem sogenannten Metadaten-Editor geschrieben, das wenigstens klappt für alle importierten Fotos gleichzeitig. Bewertungs- oder Markierungsfunktionen habe ich im ersten Anlauf nicht gefunden. Darüber hinaus scheint es keine Möglichkeit zu geben, die Vorschauen einzeln bzw. im Vollbild anzusehen. Ein Doppelklick auf die Vorschau öffnet zwar das Bild in voller Größe, wechselt aber gleichzeitig ins Entwicklungsmodul, die sogenannte Dunkelkammer.
Deren Oberfläche empfinde ich als noch weniger aufgeräumt oder gar intuitiv als den Leuchttisch (die Sammlung).
Darktable Entwicklung
Darktable Entwicklung

Auf der rechten Seite befinden sich unter dem Histogramm insgesamt sieben verschiedene Symbole, hinter denen sich verschiedene Tools für Farb-, Kontrast- und andere Regelungen verbergen. Diese sind z.T. sehr unlogisch zusammengestellt (siehe Screenshot). Leider habe ich auch keine Möglichkeit gefunden, mir meine bevorzugten Tools zu einer eigenen Gruppe zusammenzustellen.
Darüber hinaus sind z.B Ausrichten und Zuschneiden/Drehen auf zwei Module in zwei verschiedenen Gruppen aufgeteilt. Letztlich scheiterte ich schon am Zuschneidewerkzeug, dessen Funktion sich mir einfach nicht erschließen wollte.
Normalerweise suche ich mir dann Hilfe, sofern das möglich ist. Denn eine Hilfefunktion ist in Darktable nicht vorgesehen. Online finden sich ein veraltetes PDF-Handbuch in Englisch und, glücklicherweise, ein paar deutsche Nutzerforen.
Ich habe das Programm an dieser Stelle beendet, jedoch nicht ohne vorher noch einen Blick auf diverse Voreinstellungen zu werfen.
Darktable Voreinstellungen
Darktable Voreinstellungen

Weiter gehts mit

Digikam
Statt der eigentlichen Oberfläche startet Digikam beim ersten Aufruf mit einem Assistenten in welchem man Voreinstellungen, wie die Behandlung der RAWs im Editor oder auch die Festlegung des Bilderordners für das Programm auswählen kann. Genau an dieser Stelle, beim Klick auf die Schaltfläche für die Ordnerauswahl, stürzt dieser Assistent zum ersten Mal ab. Immerhin ist nach Neustart des Programms der Assistent auch wieder da und ich kann den Ordnerpfad manuell eingeben. Dann läuft der Assistent durch, anschließend aber stürzt Digikam sofort ab. Das wiederholt sich auch bei erneutem Aufrufen und auch nach einem Neustart des Rechners.
Damit erledigt sich das Kapitel Digikam sehr schnell, wenigstens ist es mir noch gelungen einen Screenshot des Assistenten zu machen.

Digikam Assistent
Digikam Assistent

RawTherapee
Das Programm verwirrt mich schon den ganzen Tag lang. Und keine Hilfe in Sicht. Das werd ich morgen nochmal in Ruhe probieren.
RAWtherapee
RAWtherapee

Damit zu

Corel AfterShot Pro 2
Das einzige kommerzielle Tool in meiner Auswahl ist auch das Einzige, welches mich heute weitgehend überzeugt hat.
Zwar ist auch hier kein direkter Import von der Kamera möglich, dafür ist der Import-Dialog (für Bilder von der Festplatte) leicht zu finden und auch noch selbsterklärend. Während des Imports können Schlagwörter vergeben und erste Bearbeitungsschritte vorgenommen werden (wenn man das will).

Corel Aftershot Pro 2 - Die Bibliothek
Corel Aftershot Pro 2 – Die Bibliothek

Die Oberfläche wirkt sehr aufgeräumt und erschließt sich mit ein wenig Studium fast von selbst. Dazu gibt es nicht nur den Menüpunkt »Hilfe«, dahinter verbirgt sich sogar ein deutsches, sehr detailliertes Online-Handbuch. So muß das sein, erst recht wenn das Programm Geld kostet.
Corel-Hilfe
Corel-Hilfe

Das Ausrichten und Zuschneiden schief geratener Bilder erfolgt mittels eines eigenen Werkzeugs, bedarf etwas Fingerspitzengefühls ist aber insgesamt recht einfach.
Für die Objektivkorrektur und alle weiteren Farb- und Kontrastentwicklungen sind alle nötigen Werkzeuge vorhanden und leicht (und logisch) erreichbar.
Um Flecken zu entfernen oder Bildbereiche zu klonen arbeitet Corel mit einer eigenen Reparatur-/Klon-Ebene. Die ist nicht ganz leicht zu entdecken, aber dank der ausführlichen Hilfe hab ich sie doch noch gefunden. Die Funktion arbeitet letztlich ähnlich wie die Bereichsreparatur in Lightroom.
Corel Entwicklung
Corel Entwicklung

Die an einem Bild vorgenommen Einstellungen lassen sich auf andere Bilder oder auch Kopien eines Bildes übertragen. Schließlich können Bilder in diverse Formate exportiert (u.a. auch als 16Bit-TIF) oder an andere Anwendungen übergeben werden. Aufgenommene Belichtungsreihen lassen sich direkt in der Software zu einem HDR-Bild verarbeiten und tonemappen.
Zu guter Letzt unterstützt Corel ICC-Profile, sofern diese im System hinterlegt sind.

Fazit
Bis auf den Totalausfall Digikam bieten die Open-Source-Programme durchaus die Möglichkeit, RAW-Bilder zu katalogisieren und zu entwickeln. Allerdings sind, aus meiner Sicht, erhebliche Einarbeitungszeiten nötig. Leider bieten weder Darktable noch RAWtherapee ausreichende Hilfen an, lediglich die aktive Community kann den Neuling hier (auch auf Deutsch) unterstützen. Das ist meiner Ansicht nach zu wenig um größere Mengen an Nutzern anzuziehen.
Im Fall Corel Aftershot Pro sieht das anders aus. Dem Kauf der Ursprungssoftware Bibble durch Corel haben wir wahrscheinlich zu verdanken, das es diese Software überhaupt für Linux gibt. Dabei haben sich die Kanadier richtig ins Zeug gelegt um mit den großen Playern in diesem Geschäft mithalten zu können. Sowohl die Oberfläche, als auch die ausgereiften Entwicklungswerkzeuge und nicht zuletzt die sehr gute Online-Hilfe haben mich in recht kurzer Zeit überzeugt und sind die rund 80 Euro Kaufpreis wert.

Soviel für heute. Es war ein anstrengender Tag, denn auch bei 27 Grad im Garten sitzen ist nur dann wirklich schön, wenn man keinen Laptop vor sich hat und unter Linux Bilder bearbeitet.
Morgen folgt Teil II des Foto-Softwaretests, denn mit RAW-Konvertern allein ist es ja nicht getan. Ich brauche Programme für die Nachverarbeitung, für Panoramen und HDR-Erstellung. Außerdem will ich der Frage nachgehen, wie das mit dem Farbmanagement auf Linux denn funktioniert. Auch den anderen Open-Source-RAW-Konvertern will ich noch ein Auge widmen. Es wird also ein ebenso spannender Tag wie heute. Ich freu mich drauf.

Linux und Ich – Tag6 – Bildbearbeitung Teil II

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